Sonntag, 18. April 2010

Götzenbilder im Wohnzimmer

Wer mit den Psalmen vertraut ist, besitzt in seinen Gedanken ganze Gallerien von Gottesbildern. Wir nehmen das Bild vom guten Hirten, stellen uns eine saftige Wiese vor und hängen es in unser geistiges Wohnzimmer. Wir erinnern uns an Gott, der wie ein starker Fels ist, und hängen es gleich daneben. Und dann fühlen wir uns gut und freuen uns über diese ausdrucksstarken Bilder.

Diese Bilder können dann zu Götzenbilder werden, wenn wir vergessen, dass sie den lebendigen Gott beschreiben. Dieser Gott lässt sich nicht mit einer Digitalkamera fotografieren, sondern will erfahren werden. Er gehört nicht ins Museum und in keine Gallerie, sondern ins Leben. Oft ist er gerade nicht auf einer saftigen Wiese zu finden, sondern mitten im Chaos unseres Lebens.

Er will nicht ein Hirte sein, sondern dein Hirte!
Er will uns nicht nur zum frischen Wasser führen, sondern auch durchs finstere Tal!
Er will nicht irgendein Gott, sondern dein Gott!

Gottesbilder sind dann Götzenbilder, wenn sie zu Bildern verkommen sind, die an der Wand verstauben, aber keine Relevanz in unserem Leben haben. Diese Bilder sind dann falsch, wenn sie uns dazu verleiten uns in eine heile Welt zu träumen, wenn Gott uns doch jetzt in unserer unvollkommenen Welt begegnen will.

Darum lass Dir gesagt sein: Der Herr ist Dein Hirte!

Samstag, 28. November 2009

Ein Weihnachtsgedicht...

Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken,
in märchenstiller Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich nieder,
anbetend, staunend muß ich stehn,
es sinkt auf meine Augenlider,
ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

(Theodor Storm)

Mittwoch, 24. Juni 2009

Gott als Hebamme

Manche Bilder der Klagepsalmen sind besonders eindrücklich. In Psalm 22 wird Gott als Hebamme beschrieben. Der Beter klagt zunächst über seine gefühlte Gottverlassenheit. Er scheint hin- und hergerissen, seine Gedanken schweifen von seinem Unglück immer wieder hin zu Gott, den er als vertrauenswürdig erfahren hat. "Vertrauen" und "Mutterleib" klingen im Hebräischen sehr ähnlich.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Fern von meiner Rettung sind die Worte meines Gestöhns. 3 Mein Gott, ich rufe bei Tage, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe.
4 Doch du bist heilig, der du wohnst unter den Lobgesängen Israels.5 Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten, und du rettetest sie. 6 Zu dir schrien sie um Hilfe und wurden gerettet; sie vertrauten auf dich und wurden nicht zuschanden.7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. 8 Alle, die mich sehen, spotten über mich; sie verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: 9 "Er hat es auf den HERRN gewälzt, der rette ihn, befreie ihn, denn er hat ja Gefallen an ihm!" 10 Ja, du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen hat, der mir Vertrauen einflößte an meiner Mutter Brüsten. 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß her, von meiner Mutter Leib an bist du mein Gott.
(Rev. Elberfelder Übersetzung)

Donnerstag, 18. Juni 2009

Milchschaum, Eschatologie und Ethik

Neulich hörte ich von einem Redakteur, der "unsere" Generation als eine Generation bezeichnet, die glücklich und zufrieden ist und auf Protest und Engagement gerne verzichtet, solange sie nur ihren Espresso mit Milchschaum schlürfen kann. Unabhängig davon ob diese Aussage zutrifft, gibt sie mir Anlass, erneut über "politische Theologie" nachzudenken. Man sagt ihr nach, sie habe die Eschatologie für die Ethik entdeckt.

Der Gedanke ist folgender: Nehmen wir z.B. den Vers: "Er wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein...". Eine wundervolle Verheißung, die in mir die Sehnsucht nach Gottes neuer Welt weckt.
Vertreter einer politischen Theologie würden das genauso sehen, aber nun sagen, dass eben gerade diese Verheißung Folgen für unser Handeln als Christen haben sollte. Konkret: Wenn wir auf eine Welt hoffen, in der es keine Tränen mehr gibt, sollten wir dann nicht schon jetzt gegen alles kämpfen, das uns und andere traurig macht!?

Spannend finde ich, dass hier christliches Handeln mal nicht im Rahmen der Rechtfertigungslehre bedacht wird (mit all den Assoziationen die damit verbunden sind: Werkgerechtigkeit, billige Gnade, tertius usus legis, etc.). Stattdessen steht hier die Eschatologie im Vordergrund.

Montag, 15. Juni 2009

Schlicht und ergreifend II

Καταβάντος δὲ αὐτοῦ ἀπὸ τοῦ ὄρους ἠκολούθησαν αὐτῷ ὄχλοι πολλοί. καὶ ἰδοὺ λεπρὸς προσελθὼν προσεκύνει αὐτῷ λέγων·
κύριε, ἐὰν θέλῃς δύνασαί με καθαρίσαι.

καὶ ἐκτείνας τὴν χεῖρα ἥψατο αὐτοῦ λέγων·

θέλω,
καθαρίσθητι

(aus Mt 8)

Donnerstag, 11. Juni 2009

Kirche, Kaffee und Corporate Identity

Schon das Logo in weiter Ferne weckt Glücksgefühle. Der Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen kommt einem entgegen sobald man die Tür öffnet. Im Hintergrund läuft Jazzmusik. -- Ein Besuch bei Starbucks.  
Im Starbucks selbst ist es voll. In bequemen Sesseln sitzen Leute, die sich angeregt unterhalten. An der Kasse stehen 20 Personen, die ebenso sehnsüchtig wie geduldig darauf warten ihre Kaffeebestellung aufgeben zu dürfen.  

Es ist schon verrückt. Da warten Leute auf ihren 4,40 Euro teuren Kaffee, der ihnen nicht einmal an den Platz gebracht wird... Und trotzdem lieben sie Starbucks. Das Mission (!) Statement von Starbucks lautet: "Wir möchten Menschen Tasse für Tasse und in jeder Umgebung inspirieren und fördern." Mission accomplished, denkt der leidenschaftliche Kaffeetrinker.

Warum gelingt es einer Kaffee-Kette ihren Kaffee so brilliant zu vermarkten? Und: Wenn Kaffee derart anziehend wirkt, wie attraktiv müssten dann unsere Kirchengemeinden sein, wenn wir doch viel Besseres zu bieten haben?    

Wäre es nicht toll, wenn jemand in weiter Ferne einen Kirchturm sähe und das gleiche empfinden würde wie der Tourist, der in einer fremden Stadt überraschend ein Starbucks entdeckt?
Statt zu sagen "Hier habe ich den besten Kaffee meines Lebens getrunken" könnte der Gottesdienstbesucher denken: "Hier bin ich Gott begegnet." Wäre das nicht viel schöner?

Ich glaube, es ist wesentlich leichter Kaffee zu verkaufen als dafür zu sorgen, dass das Evangelium auch ankommt. Trotzdem sollten wir nicht aufhören zu fragen, wie wir Kirche attraktiver gestalten können.  

Mt 5, 13 „Ihr seid so wichtig, wie Salz wichtig ist für diese Welt. Ohne euch würde nichts mehr richtig schmecken und ohne euch würde auch alles Gute uncool sein. Das ist so: ihr seid wie ein Kühlschrank für diese Welt, denn ohne euch würde alles vergammeln. Aber wenn Salz lasch geworden ist und nicht mehr salzt, und ein Kühlschrank kaputt ist und nicht mehr kühlt, gehört beides auf den Müll, damit es dort restlos entsorgt wird. 14 Auch sehe ich euch wie ein helles Licht in dieser Welt. Wenn eine Stadt oben auf einem Berg liegt, kann man ihre Beleuchtung nachts ja auch noch kilometerweit sehen. 15 Wenn du dir eine Lampe für dein Zimmer besorgst und sie nachts anmachst, dann stellst du sie doch auch nicht unters Bett. Ganz im Gegenteil, du stellst sie dahin, wo man sie auch sehen kann und sie alles beleuchtet! 16 Genauso soll auch euer Licht für alle Menschen sichtbar sein. So wie ihr lebt und an eurer Einstellung, daran sollen sie euren Vater im Himmel erkennen und von ihm begeistert sein.“ Matthäus 5, 13-16 nach der Volxbibel