Möge Gott dich segnen mit Unbehagen
über billige Antworten, Halbwahrheiten
und oberflächliche Beziehungen,
so dass du in der Tiefe deines Herzens lebst.
Möge Gott dich segnen mit Zorn
über Ungerechtigkeit, Unterdrückung
und die Ausnützung von Menschen,
so dass du dich einsetzt für Gerechtigkeit,
Freiheit und Frieden.
Möge Gott dich segnen mit Tränen,
vergossen für die, welche an Schmerzen,
Zurückweisung, Hunger und Krieg leiden,
so dass du deine Hände ausstreckst,
um sie zu trösten
und ihren Schmerz in Freude zu verwandeln.
Und möge Gott dich segnen mit genug Torheit,
damit du glaubst,
dass du in der Welt einen Unterschied machen
und das tun kannst, von dem die andern sagen,
es sei unmöglich.
(aus Asien)
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Mittwoch, 26. Januar 2011
Donnerstag, 18. Juni 2009
Milchschaum, Eschatologie und Ethik
Neulich hörte ich von einem Redakteur, der "unsere" Generation als eine Generation bezeichnet, die glücklich und zufrieden ist und auf Protest und Engagement gerne verzichtet, solange sie nur ihren Espresso mit Milchschaum schlürfen kann. Unabhängig davon ob diese Aussage zutrifft, gibt sie mir Anlass, erneut über "politische Theologie" nachzudenken. Man sagt ihr nach, sie habe die Eschatologie für die Ethik entdeckt.
Der Gedanke ist folgender: Nehmen wir z.B. den Vers: "Er wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein...". Eine wundervolle Verheißung, die in mir die Sehnsucht nach Gottes neuer Welt weckt.
Vertreter einer politischen Theologie würden das genauso sehen, aber nun sagen, dass eben gerade diese Verheißung Folgen für unser Handeln als Christen haben sollte. Konkret: Wenn wir auf eine Welt hoffen, in der es keine Tränen mehr gibt, sollten wir dann nicht schon jetzt gegen alles kämpfen, das uns und andere traurig macht!?
Spannend finde ich, dass hier christliches Handeln mal nicht im Rahmen der Rechtfertigungslehre bedacht wird (mit all den Assoziationen die damit verbunden sind: Werkgerechtigkeit, billige Gnade, tertius usus legis, etc.). Stattdessen steht hier die Eschatologie im Vordergrund.
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Samstag, 6. Juni 2009
Theologie der Hoffnung

Heute habe ich mich mit "Politischer Theologie" befasst. Politische Theologie ist eine Denkrichtung, die in den 60er Jahren entstanden ist. Sie verweist auf den engen Zusammenhang von Dogmatik und Ethik und will weg von der der Orthodoxie hin zur "Orthopraxie" (Moltmann). Es geht ihr um die Relevanz der Theologie für die Gesellschaft. Glaube wird als eine verändernde Kraft und Macht gesehen. Einer der bekanntesten Verfechter einer Politischen Theologie ist Jürgen Moltmann. Besonders eindrücklich finde ich Jürgen Moltmanns "Theologie der Hoffnung". Was er sagt, ist auch heute noch brandaktuell und kann wichtige Impulse für eine Kirche außerhalb der Kirchenmauern geben. Moltmann beginnt seine "Theologie der Hoffnung" (1964) mit diesen Worten:
Man nannte lange Zeit die Eschatologie die "Lehre von den letzten Dingen" oder die "Lehre von dem Letzten". [...] In Wahrheit aber heißt Eschatologie die Lehre von der christlichen Hoffnung, die sowohl das Erhoffte wie das von ihm bewegte Hoffen umfasst. Das Christentum ist ganz und gar und nicht nur im Anhang Eschatologie, ist Hoffnung, Aussicht und Ausrichtung nach vorne, darum auch Aufbruch und Wandlung der Gegenwart. (S. 11)
Er bezeichnet Resignation und Hoffnungslosigkeit als Sünde der Verzweiflung:
Gott hat den Menschen erhöht und ihm Aussicht ins Freie und Weite geschenkt, aber der Mensch bleibt zurück und versagt sich. Gott verheißt eine Neuschöpfung aller Dinge in Gerechtigkeit und Frieden, aber der Mensch tut so, als wäre und bliebe alles beim Alten. Gott würdigt ihn seiner Verheißungen, aber der Mensch traut sich das nicht zu, was ihm zugemutet wird. Das ist die Sünde, die den Glaubenden zutiefst bedroht. Nicht das Böse, das er tut, sondern das Gute, das er unterlässt, nicht seine Untaten, sondern seine Versäumnisse klagen ihn an. Sie klagen ihn des Mangels an Hoffnung an. Denn diese sogenannten Unterlassungssünden gründen allemal in Hoffnungslosigkeit und Kleinglauben. "Nicht so sehr die Sünde stürzt uns ins Unheil als vielmehr die Verzweiflung", sagte Johannes Chrysostomos. Darum zählte das Mittelalter die acedia oder tristitia unter die Sünden wider den heiligen Geist, die zum Tode führen. (S.18)
An anderer Stelle (S.17) wird die Protesthaltung dieser "protestantischen" Theologie deutlich:
Darum macht der Glaube, wo immer er sich zur Hoffnung entfaltet, nicht ruhig, sondern unruhig, nicht geduldig, sondern ungeduldigt. Er besänftigt nicht das cor inquietum, sondern ist selber dieses cor inquietum im Menschen. Wer auf Christus hofft, kann sich nicht mehr abfinden mit der gegebenen Wirklichkeit, sondern beginnt an ihr zu leiden, ihr zu widersprechen. Frieden mit Gott bedeutet Unfrieden mit der Welt, denn der Stachel der verheißenen Zukunft wühlt unerbittlich im Fleisch jeder unerfüllten Gegenwart... Diese Hoffnung macht die christliche Gemeinde zu einer beständigen Unruhe in menschlichen Gesellschaften, die sich zur "bleibenden Stadt" stabilisieren wollen. Sie macht die Gemeinde zum Quellort immer neuer Impulse für die Verwirklichung von Recht, Freiehit und Humanität hier im Lichte der angesagten Zukunft, die kommen soll. Diese Gemeinde ist verpflichtet zur "Verantwortung der Hoffnung", die in ihr ist (1.Petr 3,15).
Jetzt die große Frage: Was heißt das für uns heute? Any ideas?
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