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Montag, 1. Juni 2009

Was ist Theologie?

"Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben." (Die Bibel, Apostelgeschichte, Kapitel 4, Vers 20.)

Theologie ist Rede von Gott. Als solche ist sie immer eine sehr individuelle, persönliche Angelegenheit. Wir sind ja keine Religionswissenschaftler, sondern reden aus einer Binnenperspektive heraus von Gott... 

Wir reden von Gott und kommen aus einem ganz eigenen Hintergrund. Wir mögen uns pietistisch, charismatisch, katholisch, evangelisch, konservativ oder liberal nennen. Dahinter stehen aber doch individuelle Erfahrungen, die uns zu diesen Kategorien verleitet haben. 

Selbst wenn theologische Gedanken noch so wissenschaftlich und objektiv formuliert werden: Hinter den meisten theologischen Diskussionen stehen sich widerstrebende biographische Erfahrungen. Und hinter jedem "Kanon im Kanon" steckt die eigene einzigartige Persönlichkeitsstruktur des "Theologen". Theologie ist darum nie trockene Rede über Gott, sondern eine Rede von der Offenbarung Gottes in unserem Leben. Das macht Theologie zum Glaubenszeugnis und lässt uns zustimmen: "Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben."

Donnerstag, 23. April 2009

Interaktive Bibellektüre

Jesu letzte Worte am Kreuz werden im Lukasevangelium so berichtet:

"Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er."(Lk 23,46)

Im Psalm 31,6 finden sich die gleichen Worte: "In deine Hände befehle ich meinen Geist...". Doch das ist nicht alles. Der Vers geht weiter. Die jüdischen Leserinnen und Leser, die mit dem Psalm vertraut waren, wussten das. Die Fortsetzung lautet:

"...du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott!".

Da mir Ps 31 durch eine wörtliche Vertonung sehr vertraut ist, fiel mir bei meiner Lukaslektüre sofort die Fortsetzung ein: "Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott", flüsterte ich leise, nachdem ich Jesu Worte gelesen hatte. Diese bekannten Worte wurden zu meinem persönlichen Bekenntnis.

Könnte Lukas diese Antwort seiner Leserinnen und Leser bewusst provoziert haben? Wenn ja, dann wäre das Lukasevangelium das zweite Evangelium, das mit einem Bekenntnis zur Gottheit Jesu schließt (vgl. Thomas, "Mein Herr und mein Gott", Joh 20,28), jedoch ohne dieses explizit zu erwähnen.

Mittwoch, 8. April 2009

Vor Deiner Tür


Stell Dir vor, Du bist gerade auf dem Weg zur Vorlesung, da klingelt Dein Handy. Eine sanfte amerikanische Frauenstimme meldet sich: „Barack Obama möchte Sie sprechen, darf ich ihn durchstellen?“ Wahrscheinlich würdest Du ungläubig auflegen.

Jetzt stell Dir einmal vor, es klopft an Deiner Tür. Du hörst eine freundliche Männerstimme sagen: „Ich bin's, Jesus. Lässt Du mich rein?“ Keine Ahnung, wie Du reagieren würdest. Ich zumindest würde denken, ein Verrückter steht vor meiner Tür.

Auch wenn ich an die Sache mit Jesus glaube, ist mir soetwas noch nie passiert und ich bezweifle, dass es irgendjemandem passieren wird. Trotzdem staune ich über diese Worte in der Bibel: „Jesus sagt: Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an...“ (Offenbarung, Kapitel 3, Vers 20).

Für mich bedeutet das soviel wie: „Hey Du, ich hab Interesse an Dir. Du bist mir nicht egal. Du bist mir wichtig. Darum bin ich gekommen. Ich bin Dir näher als Du denkst. Ich steh vor Deiner Tür. Wenn Du willst, bleib ich hier ewig stehen, ich dräng mich nicht auf, aber wenn Du mich in deinem Leben haben möchtest, wenn Du meine Gegenwart erleben willst, wenn Du meine Hilfe brauchst – dann bin ich nur ein Gebet weit entfernt.“