Wichtiger als diese durchaus interessante Beobachtung finde ich, dass bei Geburtstagsbesuchen Seelsorger überhaupt erst präsent sind. Beim Hausbesuch überschreiten sie Grenzen, indem sie Menschen besuchen, die nicht selten aus einem anderen Milieu stammen als sie selbst. Dadurch machen sie sich zumindest erstmal ansprechbar. Ansprechbar für religiöse Fragen, aber eben auch persönliche Probleme. Es entsteht ein Raum zur Seelsorge. Beim ersten Kontakt werden sich selten tiefer gehende Gespräche ergeben, aber es entsteht eine Vertrauensbasis, die bei späteren Begegnungen tiefere Gespräche ermöglicht.
Eine andere Form der "seelsorgerlichen Präsenz" begegnet einem in der Krankenhausseelsorge. In der Krankenhausseelsorge wird Wert daraufgelegt, dass die Patienten über die Möglichkeit zur Seelsorge informiert werden. So gibt es vielerorts dreistellige Kurzwahlnummern unter denen ein Seelsorger telefonisch erreichbar ist.
Allein zu wissen, dass jemand für einen da ist, wenn man ihn braucht, kann m.E. bereits seelsorgerlich sein. Paradox formuliert: Seelsorge kann also auch dann Seelsorge sein, wenn sie nicht stattfindet.
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Montag, 27. April 2009
Seelsorgerliche Präsenz
Eberhard Hauschildt und andere haben seit den 90er Jahren zeigen können, dass pastorale Hausbesuche durchaus einen therapeutischen Nutzen haben. Selbst dann, wenn die Gespräche überwiegend aus Small Talk bestehen, enthält der Small Talk oft kurze prägnante Sätze, die bereits heilsam wirken können. Hauschildt spricht von sog. "therapeutischen Sequenzen" (Hauschildt, Alltagsseelsorge - eine sozio-linguistische Analyse des pastoralen Geburtstagbesuches, Göttingen 1996).
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